Die Ruhe vor dem Sturm der weiteren Erneuerung
25 Juni 2026
Nachhaltigkeit hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil der Entwicklung und Produktion von Sicherheitsschuhen entwickelt. Während Marken in den ersten Jahren ihren Fußabdruck noch durch vergleichsweise einfache Maßnahmen reduzieren konnten, befinden wir uns inzwischen in einer Phase, in der komplexere Fragestellungen im Mittelpunkt stehen: Wie lässt sich die Auswirkung der Kernmaterialien des Produkts selbst reduzieren und wie kann zirkulärer Content (Schuh zu Schuh) realisiert werden?
Laut Elroy Bongers, Head of Innovation & Sustainability bei EMMA Safety Footwear, liegt genau darin die größte Herausforderung. „Die ersten Schritte waren relativ klar. Aber die eigentliche Wirkung liegt in Materialentscheidungen, Produktdesign und Rückführungslogistik. Das ist deutlich komplexer.“
Von sichtbaren Schritten zu komplexeren Entscheidungen
Vor fünf bis zehn Jahren begann die Branche damit, Nachhaltigkeit stärker auf die Agenda zu setzen – oft noch ohne klares Bild von der langfristigen Entwicklung. In dieser ersten Phase lag der Fokus auf Verbesserungen, die sich relativ schnell umsetzen ließen. Erneuerbarer Strom brachte bereits rund 10 % Reduktion und auch Komponenten konnten gemeinsam mit Lieferanten gut nachhaltiger gestaltet werden. Die nächste Phase ist weniger sichtbar und inhaltlich deutlich komplexer. Die größte Auswirkung von Produkten wie Sicherheitsschuhen liegt nämlich in den Kernmaterialien, darunter Leder, PU, Gummi und Stahl. Genau dort entstehen auch die schwierigsten Abwägungen.
Wir befinden uns an einem Punkt, an dem wir zwischen Innovation innerhalb bestehender Rahmenbedingungen und der Entwicklung wirklich neuer, out-of-the-box Lösungen wählen müssen. Innerhalb dieser bestehenden Rahmen stoßen wir an Grenzen: Recycelte oder biobasierte Materialien sind oft teurer und Anwendungen bleiben meist auf etwa 30 % des Gesamtprodukts begrenzt, um die Leistung zu erhalten. „Man sucht nach etwas, das fast nicht existiert“, sagt Elroy. „Das Produkt muss nachhaltiger, zirkulär, bezahlbar sein und gleichzeitig die gleiche Leistung bieten.“
„Man sucht nach etwas, das fast nicht existiert: ein Produkt, das nachhaltiger, zirkulär, bezahlbar ist und gleichzeitig die gleiche Leistung bietet.“
Um hier Fortschritte zu erzielen, sind tiefgehende Kenntnisse über Materialien, Produktionsprozesse und Leistungen erforderlich. Kein Faktor steht für sich allein; jede Entscheidung beeinflusst Gewicht, Lebensdauer, Tragekomfort und Kosten. Genau dieses Zusammenspiel macht diese Phase komplexer als die ersten bereits umgesetzten Schritte.
Steigende Anforderungen aus dem Markt
Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen aus dem Markt schnell und der Einfluss der Endverbraucher wächst stetig. Aus Sicht der Verbraucher sollen Sicherheitsschuhe nicht nur schützen, sondern auch den Komfort und die Optik eines Sneakers bieten. Und wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden Kollektionen immer schneller wechseln müssen, um auf Kundenwünsche reagieren zu können. Geschwindigkeit und innovative Agilität werden immer wichtiger, um als Marke relevant zu bleiben.
Qualität, Komfort und Nachhaltigkeit als erkennbare Markenpfeiler
Innerhalb von EMMA befinden wir uns in einer Transformation hin zu einer innovativeren Vorreiterrolle innerhalb der Branche. Wir suchen bewusst häufiger den Kontakt zu unseren Kunden, haben neue Talente ins Unternehmen geholt und erkunden neue Arbeitsweisen, um schneller auf den Markt reagieren zu können. In dieser Dynamik ist es uns wichtig, als Marke erkennbar zu bleiben. Deshalb orientieren wir uns bei allen Produktentwicklungen an unseren Kernwerten: Qualität, Komfort und Nachhaltigkeit.
Alle EMMA-Produkte müssen auch langfristig in der Praxis zuverlässig funktionieren. Das bedeutet, dass die Lebensdauer ein wichtiger Ausgangspunkt bleibt. Ein Schuh, der länger hält, muss seltener ersetzt werden und hat über den gesamten Lebenszyklus hinweg einen geringeren Fußabdruck.
Dieser Ansatz zeigt sich deutlich in der E-BOUNCE-Linie. Diese Schuhe wurden mit einem starken Fokus auf Materialwahl und Konstruktion entwickelt. Durch den Einsatz der E-Foam®-Technologie entsteht eine Kombination aus geringem Gewicht, niedrigem Fußabdruck, optimaler Energieabsorption und Energierückgabe sowie langfristiger Leistung. Damit zeigt EMMA, wie unterschiedliche Leistungsanforderungen in einem Produkt zusammenkommen können. Dieser Ansatz trägt auch dazu bei, den Fußabdruck zu reduzieren, indem Materialeinsatz, Gewicht und Lebensdauer in Balance gebracht werden.
Bewusste Entscheidungen in der Produktionskette
Auch innerhalb der Produktionskette trifft EMMA bewusste Entscheidungen. Wir produzieren weiterhin in den Niederlanden, weil dies die einzige Möglichkeit ist, Produktqualität und Entwicklung gut steuern zu können.
Eine vollständige Produktion in den Niederlanden ist jedoch unter den heutigen Marktbedingungen nicht mehr realisierbar. Anforderungen an Komfort, Optik und Preisgestaltung führen dazu, dass ein Teil der Produktion außerhalb der Niederlande stattfindet. „Das ist die Realität des Marktes“, sagt Elroy. „Deshalb arbeitet EMMA mit einer hybriden Supply Chain. Diese Kombination sorgt dafür, dass wir die Kontrolle behalten und gleichzeitig flexibel auf veränderte Marktanforderungen reagieren können.“
Diese Entscheidung passt auch zu breiteren Entwicklungen innerhalb der Lieferkette. Globale Supply Chains sind weniger selbstverständlich geworden und Resourcing gewinnt zunehmend an Bedeutung. Für EMMA ist das ein zusätzlicher Grund, einen Teil der Produktion in der Nähe zu behalten. Auch in Zukunft bleibt lokale Präsenz von großem Wert. „Nicht nur, um Qualität sicherzustellen und nah am Kunden zu bleiben“, erklärt Elroy, „sondern auch, weil sie eine Voraussetzung für echte Zirkularität ist. Unsere Nähe zum Markt wird künftig ein wichtiger Wettbewerbsvorteil im Bereich Circularity sein.“
„Die größten Fortschritte liegen heute in dem, was man nicht direkt sieht – doch genau diese Veränderungen werden am Ende den Unterschied machen.“
Die Rolle von Gesetzen und Vorschriften
Neben technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen nimmt auch der Einfluss von Gesetzen und Vorschriften zu. Neue Richtlinien und Verpflichtungen erhöhen die Komplexität und erfordern Anpassungen in Prozessen und Datenmanagement.
Nachhaltigkeit bedeutet heute nicht mehr nur zu handeln, sondern dies auch nachweisen zu können. Das ist eine gute Entwicklung, stellt Organisationen aber vor große Herausforderungen. Neben der Suche nach neuen Materialien sind auch die Erfassung von Daten, die Durchführung von Tests sowie die Verwaltung von Ergebnissen und Zertifikaten wichtig. Das Risiko besteht darin, dass Compliance die Entwicklung – und damit die Nachhaltigkeit – verlangsamt. Das bleibt eine Sorge innerhalb der europäischen Gesetzgebung.
Als Teil der Hultafors Group profitiert EMMA glücklicherweise stark vom Austausch mit anderen Sustainability Managern innerhalb der Gruppe. Dadurch können Veränderungen frühzeitig erkannt und Anforderungen rechtzeitig erfüllt werden.
Investieren in den nächsten Schritt
Um zukunftssicher zu bleiben, investiert EMMA in Wissen, Innovation und Zusammenarbeit. Das Team wurde um Spezialisten aus den Bereichen Footwear, Materialien und Nachhaltigkeit erweitert.
Darüber hinaus arbeitet EMMA mit Partnern innerhalb der Lieferkette zusammen und baut ein internationales Netzwerk von Unternehmen auf, die bei der Materialentwicklung führend sind. Durch die Bündelung von Wissen und Expertise entstehen neue Möglichkeiten, die allein nur schwer realisierbar wären. Es wird an Lösungen auf Material- und Konstruktionsebene gearbeitet, als Vorbereitung auf weitere Schritte in Richtung Circularity.
Die Fortschritte in dieser Phase sind weniger sichtbar als in den vergangenen Jahren, aber genau hier macht EMMA die wichtigsten Schritte. Wie Elroy es zusammenfasst: „Die größten Fortschritte liegen heute in dem, was man nicht direkt sieht. Aber genau diese Veränderungen werden am Ende den Unterschied machen. Als neues Team machen wir bereits große Fortschritte. Wir laden Kunden herzlich nach Kerkrade ein, um das selbst zu erleben. Es passiert sehr viel – und wir haben gerade erst begonnen!“
Neugierig, welche Schritte EMMA 2025 in Sachen Nachhaltigkeit gemacht hat?
